Ehemalige Heimschule - Nickenich, RP, Germany
Posted by: Groundspeak Premium Member kaschper69
N 50° 25.490 E 007° 17.875
32U E 379098 N 5587251
Quick Description: Die ehemalige Heimschule bei Nickenich.
Location: Rheinland-Pfalz, Germany
Date Posted: 1/4/2021 6:27:44 AM
Waymark Code: WM13M1C
Published By: Groundspeak Premium Member pmaupin
Views: 2

Long Description:
[DE] "Was einmal eine Schule war, ist heute einer der wenigen öffentlich zugänglichen „Lost Places“ in der Region: Die ehemalige „Heimschule von Maria Lach“ bei Nickenich hat eine wechselvolle Geschichte. Die Ruine liegt am „Traumpfad Pellenzer Seeuferweg“.

Dreigeschossig ist der herunter gekommene Bau. Schon lange fehlen die Fenster, lückenhafte Gitter versperren notdürftig einige der Türen in die Ruine, die auf der Nordseite offenbar einen repräsentativen Balkon hatte, und einen Zugang über eine breite Treppe.

Innen drin, über drei Etagen, haben sich ganze Generationen an Graffiti-Sprayern aus der Region verewigt. Dieser „Lost Place“ ist tatsächlich offenbar keiner mehr: Ruinenromantik abseits der Dörfer Wassenach und Nickenich, aus den toten Fensterhöhlen geht der Blick weit übers Land, die Pellenz, bis – bei schönem Wetter – zum Siebengebirge.

Von dem, wofür dieser seltsame dreigeschossige Bau mit den Bimsfertigdecken einst gedacht war, ist heute nichts mehr zu sehen: Offenbar wurde über viele Jahre alles herausgerissen, gestohlen, abgebrochen, was irgendwie noch zu gebrauchen war. Fragmente eines Türrahmens sind da schon eine Überraschung, die freigelegte Bodenfüllung zwischen den Geschossen beweist nur, dass auch die ursprünglichen Dielen herausgerissen worden sind. Ein trostloser, verwüsteter Eindruck.

Am 18. September 1927, war das alles ganz anders. Umgeben von Festgästen legte Ildefons Herwegen, Abt von Maria Laach, hier auf dem Hochplateau mit dem Weitblick feierlich den Grundstein für das neue Fundament. Es sollte der Beginn einer neuen Zeitrechnung ganz im katholischen Bildungsgeist nach den – aus kirchlicher Sicht – weitgehenden gesellschaftlichen und moralischen Verwerfungen nach Ende des Weltkrieges werden: „Die Heimschule am Laacher See“ sollte eine neue konfessionelle Schule, Gymnasium und Realschule in einem werden. Das Unterrichtsideal war ein ganzheitliches, christliches Menschenbild. So ist es in einer Schrift zur Schuleröffnung mit dem Titel „Die Heimschule“ nachzulesen.

Zunächst ab der Sexta und bis zur Klasse 9 sollten die Schüler in 14 Gruppen zu je elf Schülern unterrichtet werden, ein Internatsbetrieb gehörte dazu. Ziel war ein Ausbau bis hin zum Angebot von Abiturklassen. Schulträger war die „Gesellschaft für ländliches höheres Heimschulwesen gemeinnützige GmbH“, der unter anderem der Bischöfliche Stuhl in Trier und die Abtei Maria Laach angehörten. An Ostern 1928 wurde der Schulbetrieb mit einer Sexta aufgenommen, erster Rektor war Dr. Bruno Benten.

"Ab 21 Uhr galt im Heim das „Schweigen der Nacht“

Der Tagesablauf in der „Heimschule“ war denkbar straff organisiert: Wecken um 6.30 Uhr, dann Frühsport noch vor der täglichen hl. Messe um 7 Uhr. Nach dem Frühstück war von 8 bis 12 Uhr Unterricht, unterbrochen von einer Pause mit zweitem Frühstück und der Pflicht für die Zöglinge, die Betten in ihren Gruppenschlafräumen zu machen. Vor dem Mittagessen die zweite Sporteinheit, alternativ Arbeit im Heimgarten oder in der Werkstatt, dasselbe auch nach der Kaffeepause. Abendessen um 18 Uhr, ab 21 Uhr galt „das Schweigen der Nacht“, wie es in einer Chronik auf der Internetseite von Wassenach heißt. Für die Schüler wurden in der Freizeit Wanderungen, Sportwettkämpfe und anderes mehr angeboten.

Warum der so verheißungsvoll gestartete Schulbetrieb schon 1933/34 „trotz regen Zulaufs“, so die Chronik, schließen musste, bleibt unklar. Die Weltwirtschaftskrise ab Ende der 1920er Jahre habe einen Weiterbau verhindert, es blieb bei dem einen, heute aber nur noch gut zur Hälfte sichtbaren, Schulgebäude. Zwar unterbanden die Nationalsozialisten nach der Machtergreifung 1933 die Finanzierung aller konfessionellen Schulen. Hier oben auf dem abgelegenen Plateau oberhalb des Laacher Sees, hatten die NS-Ideologen noch andere Pläne.

Als nationalsozialistische „Heimstätte für Mädchen“ sei der Lehrbetrieb – jetzt strikt konform mit der NS-Ideologie –weiter betrieben worden, heißt es in der zitierten Chronik. Eine „nationalsozialistische Einrichtung zur Unterstützung der Landfrauen und kinderreicher Familien“ sei diese „Heimstätte“ nun geworden: Die linientreue jungen Frauen mussten tagsüber in ihnen zugewiesenen Familien hauswirtschaftliche Arbeiten leisten, gegen Abend kehrten sie zurück in die ehemalige Schule.

1944 schließlich wurde demnach das Gebäude von der V1-Truppe, Regiment Wachtel, der Wehrmacht belegt. Im angrenzenden Hochwald seien die V1-Raketen einsatzfähig gemacht und dann zu den Abschussrampen in der Eifel gebracht worden, heißt es.

Nach Ende des 2. Weltkriegs wurde das Gebäude nicht mehr benutzt. Es verfiel.

Nur wenn man sich den Grundriss der Räume in den drei Etagen genauer ansieht, erkennt man noch die einstige Nutzung: Alle Räume haben an beiden Längsseiten vor allem in den beiden oberen Etagen große, gleichmäßige Fensterreihen, wie es in Klassenräumen üblich war. Da, wo vielleicht einmal Schiefertafeln an den Stirnseiten gestanden haben könnten, zieren heute große Graffiti-Tags die Wände."

(visit link)

[EN] "What was once a school is now one of the few publicly accessible "lost places" in the region: the former "home school of Maria Lach" near Nickenich has an eventful history. The ruin is located on the "Pellenzer Seeuferweg" dream trail.

The dilapidated building has three floors. The windows have been missing for a long time, patchy grilles block some of the doors into the ruin, which apparently had a representative balcony on the north side, and an entrance via a wide staircase.

Inside, over three floors, entire generations of graffiti sprayers from the region have immortalized themselves. This "lost place" is indeed apparently no longer one: ruined romanticism away from the villages of Wassenach and Nickenich, from the dead window cavities the view goes far over the countryside, the Pellenz, up to - in good weather - the Siebengebirge.

Of what this strange three-story building with its pumice-finished ceilings was once intended for, nothing can be seen today: Apparently, over many years, everything that could somehow still be used was torn out, stolen, demolished. Fragments of a door frame are already a surprise, the exposed floor filling between the floors only proves that the original floorboards have also been torn out. A desolate, devastated impression.

On September 18, 1927, everything was completely different. Surrounded by guests, Ildefons Herwegen, Abbot of Maria Laach, ceremoniously laid the cornerstone for the new foundation here on the high plateau with the far-reaching view. It was to be the beginning of a new era entirely in the Catholic spirit of education after the - from the church's point of view - far-reaching social and moral upheavals after the end of the World War: "Die Heimschule am Laacher See" was to be a new denominational school, a grammar school and secondary school in one. The teaching ideal was a holistic, Christian image of man. This can be read in a document on the opening of the school entitled "Die Heimschule".

Initially from the sexta and up to grade 9, the students were to be taught in 14 groups of eleven students each, and a boarding school was part of the program. The goal was to expand the school to offer Abitur classes. The school was run by the "Gesellschaft für ländliches höheres Heimschulwesen gemeinnützige GmbH," a non-profit organization whose members included the Episcopal See in Trier and Maria Laach Abbey. At Easter 1928 the school started with a sexta, the first principal was Dr. Bruno Benten.

"From 9 p.m. on, the "silence of the night" applied in the home.

The daily routine in the "home school" was tightly organized: Wake-up at 6:30 a.m., then early morning exercise before the daily 7 a.m. Mass. After breakfast, there were classes from 8 a.m. to 12 p.m., interrupted by a break with a second breakfast and the duty for the pupils to make the beds in their group dormitories. Before lunch the second sports session, alternatively work in the home garden or in the workshop, the same after the coffee break. Dinner was at 6 p.m., and from 9 p.m. on, "the silence of the night" applied, according to a chronicle on the Wassenach website. For the students, hikes, sports competitions and more were offered in their free time.

It remains unclear why the school, which had started so promisingly, had to close as early as 1933/34 "despite a lively attendance," according to the chronicle. The world economic crisis at the end of the 1920s prevented further construction, and the one school building remained, only half of which is still visible today. After the National Socialists seized power in 1933, they cut off funding for all denominational schools. Up here on the remote plateau above Lake Laach, the Nazi ideologues had other plans.

As a National Socialist "home for girls" the teaching operation - now strictly conforming to the Nazi ideology - was continued, the chronicle quoted says. This "home" had now become a "National Socialist institution for the support of rural women and families with many children: During the day, the young women loyal to the line had to perform domestic work in families assigned to them; in the evening, they returned to the former school.

Finally, in 1944, the building was occupied by the V1 troop, Wachtel regiment, of the Wehrmacht. In the adjacent Hochwald, the V1 rockets were made operational and then brought to the launching pads in the Eifel, it is said.

After the end of World War II, the building was no longer used. It fell into disrepair.

Only if you take a closer look at the floor plan of the rooms on the three floors, you can still recognize the former use: All rooms have large, even rows of windows on both long sides, especially on the two upper floors, as was usual in classrooms. Where once there might have been slate boards on the end walls, today large graffiti adorns the walls.

Translated with Deepl Translator
Address:
Nickenich,
56645


Web Site: [Web Link]

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